Kurioses aus dem Märchenland

Hier möchten wir einige kuriose, witzige oder interessante Dinge erzählen, die sich rund um das Märchenland drehen und von denen es sich allemal lohnt zu lesen! Viel Spaß! Vielleicht kommen mit eurer Hilfe noch weitere interessante Hintergrundinformationen hinzu?

Mode mit Meister Nadelöhr

Wahrscheinlich im Jahre 1962* erschien im Verlag für die Frau Leipzig dieses Heft Kinderkleidung Herbst - Winter mit 24 Seiten und zwei zusätzlichen Schnittmusterbögen. Passend zum Thema Kindermode hatte man Meister Nadelöhr eingeladen, sich mit Petra und Matthias für das Titelbild fotografieren zu lassen.
Auch im restlichen Heft bezog man das Thema Kinderfernsehen ein. Kleine Auszüge daraus könnt ihr bei uns lesen:



*Im Text wird Pittiplatsch (fälschlicherweise Pitschi-Platsch genannt) als neue Figur erwähnt, was auf das Jahr 1962 hinweist. Das Impressum bleibt diesbezüglich leider etwas unklar.

1964 - Der Märchenwald eroberte das Kino

Am 29. Mai 1964 kam der Puppentrickfilm „Großes Fest im Märchenwald“ in die Kinos der DDR. Dieser Sonderfilm, natürlich noch in schwarzweiß, bot ein 80-minütiges Abenteuer mit Herrn Fuchs und Frau Elster, Borstel, Schnatterinchen, Hoppel und Mauz und dem Sandmännchen. Aber auch Flax und Krümel kamen zum Einsatz, denn der Kurzfilm „Maschine Allesmach“, in dem die zwei mitspielten, gehörte zu dem Film dazu (ob der Flax-und-Krümel-Film vor oder nach dem Hauptfilm kam oder sogar in den Hauptfilm integriert wurde, wissen wir nicht).
Einen Text zu diesem Kinofilm von Anne Geelhaar inkl. Presseillustrationen aus dem Progress-Dienst für Presse und Werbung (Nr. 22/1964) könnt ihr hier nachlesen. Ein zweites, kleines Heftchen zu dem Film wurde als Programmbegleitheft herausgebracht. Die beiden Werbeberichte zum Film unterscheiden sich kaum voneinander.

Nadelöhr erzählt Märchen für NVA-Soldaten

Das Filmstudio der Nationalen Volksarmee Berlin-Biesdorf produzierte in einem uns unbekannten Jahr eine Meister-Nadelöhr-Episode, in welcher der Schneidermeister dem kleinen Pittiplatsch das Märchen "Des Kaisers neue Kleider" erzählt. Für die zuschauenden Soldaten wurde das Andersen-Märchen in einen Militärschwank umgewandelt - hier trägt der eitle Feldhauptmann den Namen Kaiser und wird von seinem Feldwebel hereingelegt. Regie führte Hans-Jürgen Berndt.
Die lediglich fünf Minuten lange Episode wurde 2008 zusammen mit drei Folgen von "Willi Schwabes Rumpelkammer" (ebenfalls von NVA-Filmstudio gedreht, mit speziellem Bezug zu soldatischen Alltagsgeschichten) von der UAP Video GmbH Leipzig auf DVD herausgebracht. Nähere Informationen zu jener DVD gibt es auf der offiziellen Homepage der UAP sowie in den Rezensionen im Online-Shop amazon.de.

Pittiplatsch: Eine Inspiration für Musiker

Auf der LP Träumend geht der Tag zu Ende vom Joachim Dannenberg Orchester ist ein Lied mit „Pittiplatsch“ betitelt. Diese Amiga-LP von 1970 präsentiert Joachim Dannenberg mit den Solisten Sonja Siewert und Rec Demont. Ob es sich bei „Pittiplatsch“ um ein Instrumentalstück handelt oder es einen gesungenen Text gab, ist unbekannt; ebenso ist unklar, wer den Titel komponierte.
Im Rahmen der SCHOLA-Reihe Musik für Vorschulkinder (hierbei handelt es sich um LPs, die von der Akademie der Pädagogischen Wissenschaften der DDR direkt für die musikalische Erziehung von Kindern in Schulen und Kindergärten zusammengestellt wurden) komponierte Kurt Schwaen für Schallplatte Nr. 4 das Stück „Pittiplatsch“, welches Heinz Kühnert auf der Violine spielt. Die Intention des Musikstücks kann man den Erklärungen auf der Schallplattenhülle entnehmen: „Pittiplatsch begrüßt die Kinder – er begeht eine Dummheit und ärgert sich darüber – er sieht seine Dummheit ein und gelobt Besserung – er verabschiedet sich von den Kindern. Die Kinder erleben die angedeutete Handlung nach und nehmen den Klang der Violine bewusst auf.“
In beiden Fällen diente die Figur Pittiplatsch lediglich als Inspiration und Titelgeber. Heinz Schröder war als Pittiplatsch-Sprecher nicht persönlich bei diesen Aufnahmen beteiligt! Bisher gibt es diese Aufnahmen, soweit uns bekannt ist, nicht in CD-Form.

Deutschunterricht mit Sandmann und Pitti (neu!)

1975 erschien für den Deutschunterricht in Klasse 2 an Hilfsschulen eine Sammlung mit Arbeitsblättern im Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin. Der Illustrator Harri Förster sowie die Autoren Ingrid Grobe und Traute Zschocher integrierten in einigen Übungen auch Pittiplatsch, das Sandmännchen und Bummi. Dies beweist, dass die Figuren des Kinderfernsehens zum Alltag der Schülerinnen und Schüler gehörten und zum Lernen motivieren konnten. Die Arbeitsblätter, von denen hier die Rede ist, könnt ihr bei uns ansehen:

(PDF-Datei 9MB)

Die Redakteurin war Helga Schmalfuß. Der Schulpreis für die insgesamt 72 Arbeitsblätter, die auch liniertes Papier für Schreibübungen beinhalteten, betrug damals 3,60 Mark.


Fuchs und Elster - International anerkannte Puppenkunst?

1988 betitelte der Henschelverlag Kunst und Gesellschaft seine neueste Kalenderausgabe der Reihe Figur und Spiel mit "Die Puppen-Superstars". Herr Fuchs und Frau Elster zählen hierin zu eben diesen Superstars und gesellen sich damit zu Speibl und Hurvinek, Kermit und Miss Piggy und anderen international bekannten Puppen. Da der Kalender allerdings in der DDR verlegt wurde, ist nicht sicher, ob die zwei Kinderfernsehfiguren tatsächlich in internationalen Puppenkennerkreisen anerkannt werden; immerhin arbeitete der Verlag mit der Internationalen Puppenvereinigung (UNIMA) zusammen.
Wie dem auch sei, im Monat August wurden die beiden in Englisch, Deutsch, Russisch und Französisch vorgestellt. Wir bieten hier lediglich den deutschen Text an:


Journalisten über das DDR-Kinderfernsehen

Das DDR-Kinderfernsehen war immer wieder ein Thema für Film- und Fernsehjournalisten. Neben berichtenden Zeitungsartikeln (siehe Lesestube) gab es auch kritische, pädagogische Diskussionen in verschiedenen Publikationen.
Lothar Merkel nahm 1987 in der Zeitschrift Film und Fernsehen Nr. 11 (ISSN 0323-3227) das Kinderfernsehangebot unter dem Aspekt der Erziehung die Lupe:

Merkel: Von Abendgruß bis Klik
(Die Fotos stammen vom Fernsehen der DDR, Eckstein, Carl, Seidlitz)

Im Jahre 1989 brachte der Kinderbuchverlag Berlin (DDR) das Heft Nr. 92 der Reihe "Beiträge zur Kinder- und Jugendliteratur" heraus (ISSN 0522-6805), in dem verschiedene Autoren und Journalisten Kinder- und Jugendbücher rezensierten und sich mit der Thematik Kinderliteratur auseinandersetzten. Die Autoren Hans Joachim Nauschütz und Rosel Nowotny beschäftigten sich jeweils mit dem damaligen Kinderfernsehangebot. Ihre Anmerkungen zum Kinderprogramm stellen wir hier vor:

Nauschütz: Fernsehzeit    Nowotny: Fernsehangebot für Vorschulkinder
Kleiner Hinweis: Nauschütz nennt in seinem Text die Abendgruß-Figur Friedemann versehentlich "Ferdinand".


Videoreihe "Märchenwald"

Für manche vielleicht völlig überraschend, dass es schon zu DDR-Zeiten Videokassetten von Fuchs und Elster gab. In der ersten Folge der Reihe sind die Geschichten "Der Zirkuswagen" (aus Ärger zieht Herr Fuchs aus dem Fuchsbau aus und siedelt sich weit von seinen Freunden in einem alten verlassenen Zirkuswagen an) und "Hurra, der Zirkus ist da!" (die Märchenwaldbewohner veranstalten eine Zirkusaufführung) aus den 70er Jahren zu sehen. Das Video selbst ist aus den 80ern. "Hurra, der Zirkus..." war auch auf einer Folge der DDR-Video-Reihe "Gute Nacht Geschichten" veröffentlicht worden.
Auf dem zweiten Video finden wir 2 Weihnachtsepisoden. In der ersten ("Herr Fuchs ist auf der falschen Spur") ist der Weihnachtsmann so erkältet, dass Frau Elster ihn pflegen und seine Aufgaben übernehmen muss. Herr Fuchs aber glaubt, der Weihnachtsmann wäre überfallen worden! Im darauffolgenden Film, "Herr Fuchs und viele Weihnachtsmänner", glaubt der Fuchs, durch das Verwenden der Weihnachtstraditionen anderer Länder mehr Weihnachtsgeschenke bekommen zu können...
Ob es in dieser Videoreihe außer diesen zwei Ausgaben noch mehr Folgen gibt, ist uns unbekannt - wahrscheinlich nicht.
Übrigens: Die leider nicht mehr produzierte Videokassette "Unser Sandmännchen - Klassik" bot den Schwarzweiß-Sonderfilm "Sandmännchen im Märchenland", in welchem Herr Fuchs den Sack mit dem Traumsand raubt, weil er glaubt, es wäre der Sack des Weihnachtsmannes. Diese Videokassette ist leider vergriffen und der RBB bzw. Lizenzinhaber Telepool konnte sich bisher noch nicht aufraffen, sie wieder (als DVD) herauszubringen.



Pitti goes Disco

1995 kamen die ambitionierten Musiker Ingo Politz und Bernd Wendlandt auf die Idee, ihre Helden aus der Kindheit zu Stars eines Musikprojekts zu machen. Aber wie stellte man das an? Man nahm sich die alten Schallplatten vor, schnitt die Dialoge zwischen Pittiplatsch und Schnatterinchen bzw. von Fuchs und Elster auseinander, ordnete sie neu und fügte sie wieder zusammen, so dass sich mitunter sehr zweideutige Gespräche und frivole Bemerkungen der einst unschuldigen und pädagogisch wertvollen Kinderfernsehfiguren ergaben. Diese neuzusammengeschnittenen Dialoge wurden mit Discobeat, Synthesizern und Keyboardklängen unterlegt und fertig waren die Songs der SANDMANN's DUMMIES - so nannte man das Projekt. Hier ein paar Kostproben der neugestalteten Texte:


SCHNATTERINCHEN: Ich blase - ah!
PITTIPLATSCH: Und zwar ganz dufte - hehe!
SCHNATTERINCHEN: Oh, mir wird ganz schwindlig!
PITTIPLATSCH: dann geht Pitti mit allen *ögeln

oder

FUCHS: Wenn der Fuchs sich freut, schleift sein Schwanz nicht auf den Boden sondern steht senkrecht nach oben!
ELSTER: Was stoßen Sie mich denn immer in die Seite?

Die Singles "Ach du meine Nase" und "Der Fuchs geht durch den Wald" waren in ostdeutschen Landen recht erfolgreich, für das SANDMANN's DUMMIES Album konnte man Gastauftritte von namenhaften Künstlern wie Sebastian Krumbiegel (von den Prinzen), Bürger Lars Dietrich und Mike Lehmann vorweisen. Kobold und Ente wurden nun als Pitty Platsch und Schnatte Rienchen für kurze Zeit zu Dance-Stars. Nach der Veröffentlichung dieses Albums (enthält auch den Titel "Himmelslampion", zu dem man einige Meister-Nadelöhr-Aufnahmen zusammengeschnitten hat) probierte das Projekt noch einige neue Anläufe - z.B. mit einem discotauglichen Mix der "Olsenbande" -Melodie -, ließ dann aber nichts mehr von sich hören.
Doch schon in den 80er Jahren wurden Ausschnitte aus Märchenwaldabenteuern für Musiknummern verwendet, nämlich im Song "Whatever Happened To The Wood Of Tales" vom Künstler Frank Habeta (Titellänge: stolze siebeneinhalb Minuten!). In diesem waren Fragmente aus "Der Riesenpilz" verarbeitet. Sowohl dieses Stück als auch der Künstler selbst, der sich danach an einem zweiten Titel, diesmal mit Pitti-Moppi-Dialogen, versuchte, sind mittlerweile so gut wie in Vergessenheit geraten.

Mike Lehmann im Märchenland

Auf ähnliche Art und Weise gingen die Macher von "Die Lehmann-Saga: Zu Besuch im Märchenland" vor. Für alle, die Mike Lehmann nicht kennen: Er war in den 90ern eine Comedyfigur beim Radiosender Fritz mit einer täglichen, jeweils 5 min langen Sendereihe (Montag bis Sonntag 7:00 bzw. 9:00 Uhr morgens), in denen von seinen Abenteuern auf dem Bau, im wilden Westen und sonstwo erzählt wurde. Die Mike-Lehmann-Abenteuer waren Kult! Die Sketche zeigten einen Berliner mit seinen Freunden Bernte, Ba-ahte, der Bauleiterin, dem Hauchbären, dem seriösen Reiter und anderen. Auch John, der Gewinner der ersten Big Brother Staffel, war für kurze Zeit bei Mike zu Gast.
Jedenfalls war man durch seinen Gastauftritt bei SANDMANN's DUMMIES inspiriert, Mike mal von seiner Trude zu trennen und ihn für eine Woche - also fünf Folgen lang - ins Märchenland zu schicken. Dort lebte er bei Pittiplatsch und Schnatterinchen. Aus den Schallplattendialogen der Pitti-Abenteuer wurde Moppi herausgeschnitten, stattdessen gab nun Mike seine Kommentare zu Pittis Einfällen und Schnattchens Sorgen ab. Das Drehbuch stammte wahrscheinlich von Uwe Wassermann.